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4000 km später und 15° wärmer

,Nachdem wir Polen nur als Transitland missbraucht haben, wurden wir auch gleich noch mit reichlich bürokratischer Ahnungs- und Willenlosigkeit der polnischen Behörden konfrontiert, nicht zu erwähnen die dreiste Maut Abzocke für wirklich höchst miserable Autobahnen. Erstaunlich der Vergleich mit Estland, unsere Vorurteile hätten eher Polen als Estland für infrastrukturell und touristisch weiter entwickelt gehalten – unserem subjektiven Urteil nach ist eher das Gegenteil der Fall. Zum Beispiel wurde uns dann an der Grenze zu Tschechien mitgeteilt, dass das Maut-Leihgerät nur 100km vor der Grenze zurückgegeben werden kann – ohne Zweifel eine verwaltungstechnische Meisterleistung. Das teure Mautleihgerät hängt nun als Andenken weiterhin an der Scheibe.
Durch Tschechien kamen wir dann richtig fix, da lohnen sich 60Euro Autobahn Gebühr. Eigentlich lag Prag auf unserem Plan, als jedoch erste Großstadt auf unserer Reise gab es dort kein Hineinkommen mit unserem Kleinwagen, Beschränkung 3,5t.

In Nürnbergs Innenstadt kam es dann zum erfreulichen Wiedersehen mit Oma Nati nach vier Monaten Nomadendasein. Durch reichlich Glück konnten wir direkt bis vor das Hotel fahren, so dass Oma Nati dann gegen 8 Uhr morgens plötzlich neben dem Feuerwehrauto erschien und uns die Jungs mit einem lauten „Oma Nati! Oma Nati!“-Kreischen weckten. Als Belohnung für so frühes Aufstehen, führte Oma uns dann stilgemäß zum Frühstück zu Mc Donalds. Im Anschluß dann nachträgliche Geschenkübergabe für die Kindergeburtstage, die wir in Nordeuropa gefeiert haben. Sehr schön, viele Spiele von Oma und Opa aus Kessin und Lego von Oma und Opa aus Kritzmow. Lego, übrigens DAS Spielzeug auf unserer Reise. Und Kuhhandel, DAS Spiel. Ganze zwei Tage haben wir es uns in Nürnberg mit Oma so richtig gut gehen lassen. Nicht zuletzt konnten Yvonne und ich abends ohne Kinder sogar noch eine Runde durch Nürnberg drehen, um dann bei Starbucks und freiem Internet Flüge nach Las Palmas (Gran Canaria) im Januar zu buchen.

Um uns für die kommenden Strapazen in Frankreich, Spanien, Portugal und Marokko fit zu machen, haben wir gleich noch zwei weitere Tage bei Coco und Jan in München verbracht. Während die Damen sich den Streß in Münchner Clubs weggetanzt haben, haben die Herren sich prächtig mit schlechten Filmen und Alkohol amüsiert. Und ja, wieder ist uns bewußt geworden, dass die Jungs nun fast erwachsen sind, denn es hat keiner wie beim letzten München Besuch in die Schlafvorrichtungen gepinkelt.

In Pforzheim, anlässlich Hendriks Geburtstag, ging es wieder ins Schwimmbad. Das beste unserer Reise bisher. Unser kleiner Henni, weniger als ein Jahr noch und schon morgens um sieben mit Ranzen und Brüdern auf dem Weg zur Schule.

Nicht, dass wir nicht schon genug Kohle für Sprit lassen mussten, um in den warmen Süden zu kommen, gab es dann gleich die Spritpreis-Keule von 1,50 für Diesel in Frankreich und 70 Euro Maut für 300km Autobahn. Der einzige Weg war der Ausweg über Landstraßen. Und das war gar nicht mal eine so schlechte Idee, denn der Diesel ist auf dem Land deutlich billiger (fast 20 Cent) und nicht zuletzt sind die kleinen Städtchen der Provence très joli. Zudem kann ich mein angestaubtes Französisch im Ländle wieder aufpeppen. Auf dem Parkplatz in Tournon, meine Herren das sieht hier alles aus wie Filmkulisse, fuhr plötzlich ein Pärchen mit Sohn in Lasses Alter und extrem gut erhaltenem Vw T2 vor. Nach kurzer Vorstellung wurde zack zack in Sekunden von Pascal und Olga Blutwurst, Rotwein und andere lokale Spezialitäten zwischen unseren Autos aufgetischt. Wir konnten immerhin Lebkuchen und Brot sponsern. Gut gelaunt und leicht alkoholisiert, mit wertvollen Reisetips in der Tasche, gab es dann bei Verabschiedung die Verabredung für unsere Heimreise im März/April kommendes Jahr, sollten wir nicht die Fähre von Tanger nach Italien im Frühjahr nehmen. So wurde aus unserer Abendbrot Pause mit geplanter Weiterreise ein längerer Abend und, dank Rotwein der Provence, ein Abend ohne Weiterfahrt. Am Morgen dann wieder Gekreische der Kinder, nicht ‚Oma Nati! Oma Nati!‘ sondern ‚Polizei! Polizei!‘. So ein Mist, raus zum Polizisten und der faselt was von c’est interdit und in zehn Minuten müssen wir weg. Gut, wir wollen nicht schon wieder schmieren und hören drauf. Zehn Minuten später sind wir weg und finden einen Platz zum Essen und Schule machen neben Weinfeldern.
Die Tips der Franzosen waren Gold wert, die kleinen Dörfer total genial. Wir hatten schon mit einer Immobilie im Wert von 1,2 Mio geliebäugelt, dann plötzlich der Blick auf ein Centre Nucléaire in Sichweite. Also doch nicht. Mal sehen was es so in Las Palmas gibt.

Bei einem Rundgang ist mir aufgefallen, dass eine Dieselrücklaufleitung am Motor leckt und sogar alle paar Sekunden einen Tropfen Diesel verliert. So wie es aussieht war dies schon länger der Fall gewesen. So sind wir dann auf der Autobahn zu einer Mercedes Werkstatt runtergefahren und haben 10cm Kraftstoffleitung vom netten Service-Mann geschenkt bekommen. Das ganze war so einfach zu reparieren, dass ich das noch auf dem Werkstatt-Parkplatz in weniger als 10 Minuten 1A hingefrickelt bekommen habe. Wie geil, gleich ist der Motor unten wieder ein bisschen trockener als vorher.

Voll krass übrigens, hier laufen Flamingos frei herum, daneben gleich die Wasserbüffel. Seit fast zwei Wochen sind wir am Mittelmehr und fahren von Strand zu Strand. Die Kinder genießen die Buddelei und endlich wieder baden, wir verschlingen ein Buch nach dem anderen und benötigen deshalb bald Nachschub!

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